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Interview mit World Fund-Gründer Tim Schumacher: 350 Millionen Euro fürs Klima

Der World Fund ist mit 350 Millionen Euro der größte Klimafonds in Europa. Im FINANZENTDECKER-Interview fragen wir Investor und Gründungsmitglied Tim Schumacher, wie der World Fund die Gelder seiner Investoren investiert, ob Klima-Interessen immer gleich Anleger-Interessen sind und wie langfristig ein Investment in klimafreundliche Start-ups ausgerichtet sein sollte.

Tim, der World Fund möchte mit 350 Millionen Euro helfen, die Welt zu retten. Ist das eine faire Zusammenfassung dessen, was ihr macht?

Wir möchten 350 Millionen Euro in die vielversprechendsten europäischen Start-ups investieren, die signifikant zur Dekarbonisierung unserer Welt beitragen. Wir müssen signifikant dekarbonisieren, um die Erderwärmung so gut es geht einzudämmen und die fatalen Folgen dessen zu verringern. Mit unserem Portfolio möchten wir im Jahr 2040 zwei Gigatonnen CO2e, also 4 Prozent der globalen Emissionen in dem Jahr, einsparen.

💡 Gut zu wissen

CO2e ist eine Maßeinheit, mit der man den Effekt von verschiedenen Treibhausgasen aufs Klima vergleichbar macht. So können die Start-ups zum Beispiel auch andere Treibhausgase einsparen. Das Ziel ist das Äquivalent von zwei Gigatonnen CO2. (Anm. d. Red.)

Ihr seid mit angepeilten 350 Millionen Euro der größte Climate-Tech-Fonds in Europa. Bisher habt ihr über die Hälfte des Geldes zusammen. Woher kommt das Geld?

Genau, wir streben diese Größe an, um auch in kapitalintensivere Hardware-Technologien zu investieren und um Folgeinvestments zu tätigen, damit die Unternehmen nicht auf einem gewissen Level stagnieren, sondern weiterwachsen können.

Unser erstes Kapital kam von uns als Gründungsteam und von unserem Ankerinvestor Ecosia. Danach haben wir uns auf erfolgreiche Unternehmer:innen fokussiert, wie zum Beispiel Verena Pausder, Rolf Schrömgens oder Fabian Spielberger. Von ihnen kommt bisher der größte Anteil unseres bisher eingesammelten Kapitals. Seit dem letzten Closing fokussieren wir uns hauptsächlich auf institutionelle Investoren und haben beispielsweise PwC bereits als Investor gewonnen.

World Fund Gründer Investor Tim Schumacher
World Fund-Mitgründer und Investor Tim Schumacher (Bild: © World Fund)

Ihr wollt die Start-ups zu Beginn jeweils mit einer bis etwa acht Millionen Euro anschieben. Wie schwer ist es, genügend passende Climate Tech-Unternehmen zu finden, die eure strengen Kriterien erfüllen? Schließlich möchten die Investoren ja auch sehen, dass ihr Geld fleißig arbeitet.

An Start-ups mangelt es nicht – seit unserem Launch haben wir uns knapp 2.000 Start-ups angeschaut. Die Mehrzahl wird tatsächlich direkt aussortiert, da wir kein ausreichendes CO2e-Einsparungspotenzial sehen. Dennoch haben wir viele Deals in der Pipeline, die sehr interessant für uns sind und auf alle Fälle infrage kommen, wenn sich unsere Annahmen nach näherer Analyse bewahrheiten. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ausreichend gute Start-ups identifizieren werden, um unser Kapital profitabel zu investieren und unsere Investor:innen zufriedenzustellen.

Bisher habt ihr in sechs Start-ups investiert. Was waren die Gründe für QOA, Treecard und Juicy Marbles?

Bei QOA sehen wir das Potenzial, den Massenmarkt für Schokolade wesentlich ökologischer und sozialer zu gestalten, ohne dass für die Bedienung der steigenden Nachfrage Regenwälder abgeholzt werden müssen und ohne, dass im Geschmack Kompromisse eingegangen werden müssen.

Treecard ermöglicht Climate Action für jeden in der Hosentasche: Die Mastercard aus Holz steckt 80 Prozent ihrer Gewinne in Aufforstung und Climate-Tech-Investments, ähnlich wie auch Ecosia selbst.

Jedem ist bewusst, dass die Massentierhaltung, um unseren steigenden Fleischkonsum zu bedienen, ein riesiges ökologisches und ethisches Problem darstellt. Für Menschen, die dennoch nicht auf den Geschmack und das “Erlebnis” eines Premium Steaks verzichten möchten, bietet Juicy Marbles eine pflanzenbasierte Alternative, wie es sie in der Form bisher nicht auf dem Markt gegeben hat.

Wie sieht es mit Space Forge, Fresh Flow und Recup aus?

Space Forge ermöglicht mit ihren „returnable in-space Manufacturing Plattformen“ die Herstellung von wesentlich effizienteren Halbleitern, die in ihren Anwendungen auf der Erde somit zu immensen Energieeinsparungen führen.

Freshflow bietet eine AI-basierte Supply-Chain-Infrastruktur, beginnend mit einer Prognosesoftware für Supermärkte, um ihre optimalen Bestellmengen an Lebensmitteln zu bestimmen. Win-Win: Lebensmittelabfälle werden reduziert und die Supermärkte verbessern ihre Margen.

Recup trägt mit ihrer Infrastruktur für wiederverwendbare Kaffeebecher und Schüsseln dazu bei, dass der Müll aus Einwegplastikbehältern reduziert wird. Dadurch, dass man die Becher an allen teilnehmenden Cafés und Restaurants bekommt und auch wieder abgeben kann, wird die Hürde einen eigenen Becher mitzubringen umgangen.

Bei Recup seid ihr mit einem Exit schon wieder ausgestiegen. Wie profitabel war das Investment für euch und eure Anleger?

Wir dürfen aus Vertraulichkeitsgründen nicht über einzelne Investments reden, aber wir können bestätigen, dass es für uns ein profitabler Exit war, und die Firma jetzt bestens aufgestellt ist für weiteres Wachstum.

Anleger-Interessen sind nicht immer gleich Klima-Interessen. Es könnte wirtschaftlich Sinn machen, ein Start-up zu verkaufen. Gleichzeitig könnte das aber nicht das Beste für das Klima sein. Machen wir ein, zugegeben, unrealistisches Gedankenexperiment: Ein Öl-Konzern möchte eure Anteile an einem nachhaltigen Start-up kaufen, um es vom Markt zu nehmen und bietet euch absurd viel Geld dafür an. Was macht ihr?

Das ist wirklich sehr unrealistisch. Wir würden das Angebot ablehnen, da wir so all die positiven Impacts des Start-ups begraben könnten. Außerdem signalisiert das hohe Angebot, dass dem Start-up ein hoher Wert zugeschrieben wird. Somit würden wir eine andere Exit-Route finden, welche mit unseren Werten übereinstimmt und bestenfalls gar zu einem höheren Exit-Preis führt.

Ist der Spagat immer so klar zu beantworten? Nicht jeder Fall wird so plakativ sein.

Wie immer ist die Realität etwas differenzierter: Es gibt Ölkonzerne, die mit großen Anstrengungen und Investitionen versuchen, ihr Geschäftsmodell auf erneuerbare Energien umzustellen, und hier ist eine Zusammenarbeit auch wünschenswert. Auf der anderen Seite gibt es die ewiggestrigen Konzerne, die versuchen, an ihrem zerstörerischen Geschäftsmodell aus Profitgier weiter festzuhalten. Mit diesen würden wir sicherlich niemals zusammenarbeiten.

Jedes Start-up, in das ihr investiert, muss mindestens 100 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Zudem investiert ihr nur in Firmen mit dem höchsten Climate Performance Potential (CPP). Dafür habt ihr eine eigene Due Diligence in Kooperation mit Project Drawdown, Crane und der Technischen Universität Berlin entwickelt. Wie genau sieht die aus?

Mit dem CPP meinen wir das CO2e-Einsparungspotenzial. Wir erstellen für jedes Start-up, in das wir investieren wollen, ein CPP-Assessment, indem das CO2e-Reduktionspotenzial sowohl “bottom-up”, also pro Einheit des Produkts, als auch “top-down”, also mit Blick auf die insgesamt reduzierbaren Emissionen innerhalb des Marktes, den das Start-up angeht, berechnet. Letzteres ist schließlich ausschlaggebend und muss mindestens unseren Schwellenwert von 100 Megatonnen CO2e pro Jahr bis 2040 erreichen.

Unser CPP-Assessment wird schließlich von unserem Scientific Advisory Board, welches aus Expert:innen in diesem Bereich (wie zum Beispiel Project Drawdown) besteht, überprüft. Uns ist es wichtig, hohe wissenschaftliche Standards anzuwenden, um so den höchsten Impact zu haben.

💡 Lesetipp

Zu diesem Thema gibt es einen spannenden Artikel der World Fund-Mitarbeiter Danijel Višević und Daniel Valenzuela. (Anm. d. Red.)

Ihr sagt, dass ihr positive Klima-Effekte als einen frühen Indikatior für finanzielle Renditen seht. Über die Klimakriterien bei euren Investments haben wir gerade gesprochen. Lass uns nun mal auf die wirtschaftliche Seite schauen. Worauf achtet ihr noch? Schließlich müsst ihr ja auch für eure Investoren Profit erwirtschaften.

Natürlich achten wir neben dem Klimaaspekt auf die üblichen Kriterien, die für die Einschätzung eines Start-ups relevant sind, wie zum Beispiel das Marktpotenzial, die Skalierbarkeit, das Team, potenzielle Risiken und den Wettbewerb. Impact und Erfolg gehen Hand in Hand: Start-ups mit dem höchsten Dekarbonisierungspotenzial werden die erfolgreichsten der nächsten Dekade sein. Zudem kann dieser Impact nur erzielt werden, wenn auch die anderen Kriterien erfüllt sind.

Bekannte Unternehmer stehen mit ihren Fonds und Finanzprodukten aktuell besonders stark in der Kritik und unter Beobachtung. Denken wir da nur mal an „Die Höhle der Löwen“-Investor Frank Thelen. Warum könnt ihr das besser?

Es ist glaube ich wichtig, immer klar und ehrlich zu sein, dass Investments in Fonds auch erhebliche Risiken mit sich bringen. Der übliche Warnhinweis “Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen” ist daher keine reine Floskel.

Im Durchschnitt über die Jahrzehnte dagegen haben Investitionen in börsennotierte wie auch private Unternehmen zwar überdurchschnittliche Renditen eingefahren (und neue “First-Time”-Fonds sogar laut einer Studie die besten), aber sie sind starken Schwankungen unterworfen. Daher ist es wichtig, keine unrealistischen Renditen zu versprechen.

Wer kann in euren Fonds investieren?

Wir sind ein Spezialfonds, das heißt, es können semi-professionelle und professionelle Anleger in uns investieren. Wir sind sehr froh über unsere bisherige Investoren-Basis, welche größtenteils aus erfolgreichen Unternehmer:innen besteht. Allerdings wollen wir uns nun voll und ganz auf institutionelle Investoren fokussieren, welche wesentlich größere Tickets investieren können. Damit können wir unsere Fundraising-Ziele schneller erreichen und weitere Investments tätigen.

Wann rechnet ihr damit, dass sich Investments in Climate Tech mit ihrem vollen Potential wirtschaftlich auszahlen?

Venture-Capital-Investments sind ein langfristiges Investment und man kann nicht, wie an der Börse, jederzeit sein Geld wieder herausziehen. Die ersten Rückflüsse werden üblicherweise etwa vier bis sechs Jahre nach dem ersten Investment erwartet. Der gesamte Fond hat eine Laufzeit von 10 bzw. 12 Jahren, nach dessen Ablauf im besten Fall die Investoren alle ihre Returns ausgezahlt bekommen haben.

Wenn einer unserer Leser ein Investment in den World Fund erstrebenswert findet: Wie kann er dann investieren?

Der World Fund ist für Direktinvestments nur ab einer Summe von 200.000 Euro für semi-professionelle und professionelle Anleger offen. Unter worldfund.vc kann man mit uns in Kontakt treten.

Tim, danke für das Gespräch.

Hinweis im Sinne der Transparenz: Tim Schumacher und Tobias Gillen arbeiten an anderer Stelle zusammen. Bei FINANZENTDECKER besteht keine Zusammenarbeit.


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Tobias Gillen
Tobias Gillen ist Unternehmer, Journalist und Buch-Autor. Neben seiner Position als Geschäftsführender Gesellschafter der BASIC thinking GmbH hat er 2017 das Online-Magazin FINANZENTDECKER gegründet. Seit 2020 ist er Mitglied bei »Leaders for Climate Action«.