Der Anker-Effekt an der Börse: Darum solltest du die Anker lichten
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Der Anker-Effekt an der Börse: Darum solltest du die Anker lichten

Der Anker-Effekt ist nicht nur in Verhandlungen tückisch, er kostet uns auch an der Börse bares Geld. Was der Anker-Effekt ist und wie wir ihn austricksen können, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Was ist der Anker-Effekt?

Der Anker-Effekt ist ein psychologischer Effekt, der uns unbewusst dazu verleitet, Zahlen falsch einzuschätzen, wenn wir vorher mit anderen Zahlen (den Ankern) konfrontiert wurden.

Klingt kompliziert? Machen wir praktische Beispiele aus dem Alltag daraus. Vielleicht fühlst du dich ertappt?

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Beispiele für den Anker-Effekt bei Verhandlungen

Wenn du auf dem Flohmarkt mit einem erfahrenen Händler über einen Gegenstand verhandelst, der vielleicht 10 Euro wert ist, wird der Händler dir zunächst eine Zahl nennen, die nahe an der Unverschämtheit vorbei schrammt. Er schlägt dir zum Beispiel 25 Euro vor und setzt den Anker bei 25 Euro.

Du wirst nun aller Wahrscheinlichkeit nach dazu tendieren, den Gegenstand für deutlich mehr als 10 Euro zu kaufen. Umgekehrt würde ein erfahrender Käufer dir für den Gegenstand 1 Euro (Anker) bieten. Die Wahrscheinlichkeit, dass du ihn für unter 10 Euro verkaufst, ist ebenfalls gegeben.

Beispiele für den Anker-Effekt bei Schätzungen

So ähnlich funktioniert der Anker-Effekt auch bei Schätzungen: Bei einer Studie wurden Probanden nach der Größe des höchsten Baumes gefragt. Eine Hälfte wurde vorher beiläufig mit der Zahl 1.200 Fuß „geankert“, die andere Hälfte mit 180 Fuß. Das Ergebnis: 844 Fuß für die erste Gruppe, 282 Fuß bei der zweiten Gruppe.


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Beispiele für den Anker-Effekt bei Finanzen

Eine andere Gruppe von Probanden wurde danach gefragt, wie viel sie für einen konkreten Zweck spenden würden. Die erste Gruppe hat den Anker 5 erhalten („Wären Sie bereit, 5 US-Dollar zu spenden?“), die andere Gruppe den Anker 400. Ergebnis: 20 US-Dollar zu 143 US-Dollar.

Beispiele für den Anker-Effekt an der Börse

Genau so verhält es sich auch an der Börse. Stell dir folgendes vor: Du analysierst ein Unternehmen, das aktuell bei 20 Euro pro Aktie steht. Drei Wochen später entscheidest du dich dazu, das Unternehmen zu kaufen. Doch nun steht es bei 25 Euro.

Weil dein Anker bei 20 Euro gesetzt ist, erscheinen dir die 25 Euro nun ziemlich teuer. Du kaufst nicht und hoffst darauf, dass es wieder auf 20 Euro fällt. Das Unternehmen steigt nun aber auf 40 Euro, auf 80 Euro und ein Jahr später steht es bei 120 Euro. Du hast eine fette Rendite liegen lassen.

Das funktioniert auch umgekehrt: Du analysierst das Unternehmen bei 60 Euro und plötzlich steht es bei 40 Euro. Ein Schnäppchen, denkst du, weil dein Anker auf 60 gesetzt ist. Du kaufst und das Unternehmen stürzt auf 20 Euro ab.

Wie können wir die Anker lichten?

Wie können wir es aber nun schaffen, uns vom Anker-Effekt nicht länger austricksen zu lassen? Dafür gibt es ein paar Tipps und Tricks.

1. Sei dir darüber im Klaren, dass es solche Effekte gibt

Zunächst einmal solltest du dir darüber im Klaren sein, dass es solche Effekte wie den Anker-Effekt (oder auch den Bestätigungsfehler) gibt. Denn nur dann kannst du etwas dagegen machen.

Stell dir die Frage, ob du bei deiner aktuellen Bewertung eines Umstandes (z.B. bei einer Verhandlung oder beim Aktienkauf) einem Anker erliegen sein könntest.

2. Stelle immer wieder neue Bewertungen auf

Bleiben wir beim Beispiel der Aktie, die von deinem Anker bei 20 Euro auf 120 Euro gestiegen ist. Stell dir die Frage, was den Kurssprung auf 25 Euro, auf 40 Euro und so weiter ausgelöst hat.

Hat das Unternehmen vielleicht zwischen deiner Analyse und dem geplanten Kauf einen Großkunden akquiriert? Gab es Änderungen in der Zinspolitik? Konnte das Unternehmen einen Schuldenberg tilgen?

Stelle immer wieder neue Bewertungen auf. Vergleiche nicht den Kurs von heute mit dem Anker von vor ein paar Wochen. Vielleicht haben sich die Umstände geändert?

3. Nutze den Anker-Effekt für dich

Da wir alle es wahrscheinlich nie ganz vermeiden können, auf den Anker-Effekt reinzufallen, sollten wir ihn zum Ausgleich an der einen oder anderen Stelle auch mal für uns nutzen. Wirf bei einer Verhandlung den Anker in den Ring. Setze das erste Ausrufezeichen!

So vermeidest du zwar nicht, dass du jemals wieder dem Anker-Effekt zum Opfer fällst. Du kannst aber ab und an auch mal von ihm profitieren. Nutze dein Wissen!

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