Rohstoffe investieren Guide Anleitung Erklärung How To
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Indirekt in Rohstoffe investieren: Das sind deine Möglichkeiten als Anleger

Ob die Digitalisierung, Künstliche Intelligenz oder Elektromobilität: Die Megatrends des 21. Jahrhunderts haben allesamt einen enormen Rohstoffbedarf. Deshalb erklären wir dir in unserem Rohstoff Guide, welche unterschiedlichen Rohstoffe es gibt und wie du indirekt in Rohstoffe investieren kannst – über Aktien, ETFs und ETC.

Zwischen Januar 2025 und Juni 2026 ist der Goldkurs um 150 Prozent gestiegen. Innerhalb von eineinhalb Jahren ist der Preis für eine Feinunze Gold von knapp 2.000 US-Dollar auf bis zu 5.000 US-Dollar gestiegen.

Getrieben durch Privatanleger, Käufe der Zentralbanken und die geopolitischen Unsicherheiten hat Gold historische Höchststände erreicht. Der Silberpreis hat sich im gleichen Zeitraum teilweise sogar verdreifacht. Und auch der Ölpreis schwankt massiv. Je nach Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten pendelt er zwischen 80 und 130 US-Dollar.

Das offenbart das enorme Renditepotenzial, aber auch die geopolitische Abhängigkeit von Rohstoffen. Wer nicht direkt physisches Gold oder Silber bei sich zuhause lagern möchte, kann über indirekte Investments am anhaltenden Rohstoff-Boom partizipieren.

Wichtig ist: Kein Rohstoff und keine Anlageform bietet vollständige Sicherheit. Im Gegenteil: Gerade bei Rohstoffen gibt es sehr starke Abhängigkeiten. Darauf gehen wir später im Text ein.

Welche Rohstoffe gibt es?

Es gibt nicht den einen Rohstoff. Im Gegenteil: Beim Blick auf den Rohstoffsektor fällt die Bandbreite auf. Es geht von bekannten Rohstoffen wie Gold, Silber und Öl bis hin zu Gütern wie Milch, Kaffee oder Holz, die viele Anleger nicht sofort auf dem Schirm haben.

Grob lassen sich Rohstoffe in Edelmetalle, Industriemetalle, Energie- und Agrarrohstoffe unterteilen.

Edelmetalle

Edelmetalle sind Metalle mit besonderen Eigenschaften. Sie rosten beispielsweise nicht, haben eine geringe Härte oder sind sehr beständig gegen äußere Einflüsse wie Oxidation. Sowohl der Kontakt mit Wasser als auch mit Luft führen aufgrund der chemischen Zusammensetzung zu keinen oder nur sehr zeitversetzten Auswirkungen. Zu den wichtigsten Edelmetallen gehören Gold, Silber und Platin.

Aufgrund der chemischen Besonderheiten und ihrer Langlebigkeit wurden Gold und Silber schon vor tausenden Jahren zur Herstellung von Münzen (Währung), Schmuck und wertvollen Kunstgegenständen verwendet. Auch Platin wurde bereits im alten Ägypten verwendet und kommt heute zum Beispiel als Legierung bei Laborgeräten, Herzschrittmachern, medizinischen Implantaten oder Thermoelementen zum Einsatz.

Für dich als Anleger kommen noch drei weitere wichtige Faktoren hinzu:

  1. Seltenheit: Edelmetalle sind ein begrenztes Gut. Sie kommen nur in geringen Konzentrationen vor und der Abbau ist teuer und erschwerlich.
  2. Knappheit: Während Papiergeld von Zentralbanken in beliebiger Masse gedruckt werden kann, ist die Menge an Gold und Silber auf der Erde begrenzt.
  3. Wertigkeit: Edelmetalle haben aufgrund ihrer Beschaffenheit und Fähigkeiten einen eigenen Wert, der eine sehr hohe Beständigkeit hat – auch in Krisenzeiten.

Diversifikation und Inflationsschutz

Die Wertentwicklung von Edelmetallen ist losgelöst von nationalen Währungen – und damit auch losgelöst von der Kaufkraft von Euro, US-Dollar oder Yuan. Während die Inflation dafür sorgt, dass 100 Euro Anfang 2026 mehr wert sind als Ende 2026, hat sie keinen Einfluss auf den Wert von Edelmetallen, weil sie einen physischen Gegenwert haben. Deshalb eignet sich zum Beispiel Gold sehr gut als Inflationsschutz.

Aufgrund der Wertbeständigkeit und der Risikobeständigkeit in Krisenzeiten können Edelmetalle eine sinnvolle Diversifikation in einem Anlageportfolio sein. Sie können als Beimischung ein stabiler Sicherheitsanker in deinem Depot sein.

Wichtig ist allerdings auch: Obwohl der Goldpreis seit 2025 eine beeindruckende Rallye hingelegt hat, sind derartige Wertanstiege bei Edelmetallen eigentlich die Ausnahme. Sie bieten Sicherheit und keine allzu hohe Rendite.

Zuletzt gilt: Als physische Elemente in Form von Münzen, Barren oder Schmuck hast du selbst die Kontrolle über deine Investments. Du bist nicht auf Zentralbanken oder Regierungen angewiesen, um an deine Wertgegenstände zu kommen.

Die wichtigsten Edelmetalle auf einen Blick

Zum Schluss wollen wir dir noch kurz die vier wichtigsten Edelmetalle vorstellen:

  1. Gold gilt als der sichere Hafen in Krisenzeiten. Gold ist am wenigsten von der Industrie abhängig. In unserem Gold-Guide haben wir alle deine Fragen geklärt.
  2. Silber ist der kleine Bruder des Goldes. Der Silberpreis schwankt deutlich stärker und ist stärker mit der Industrie (zum Beispiel: Schmuck, Elektronik) verknüpft, was zu konjunkturabhängigen Schwankungen führt.
  3. Platin ist als Rohstoff noch seltener als Gold und wird zum Beispiel in Diesel-Autokatalysatoren benötigt. Dementsprechend gibt es eine Korrelation zur weltweiten Automobilindustrie.
  4. Palladium wiederum kommt als Gegenstück in den Katalysatoren von Benzinern vor. Es ist noch seltener als Platin und hängt noch enger mit den Entwicklungen im Automobilsektor zusammen.

Gold ist das sicherste und stabilste Edelmetall. Silber bietet durch die Kombination aus Industrie und Schmuck eine höhere Volatilität und damit stärkere Schwankungen. Platin und Palladium sind spezielle Industrie-Edelmetalle, die stark vom Automarkt abhängig sind.

Industriemetalle

Die zweite Kategorie von Rohstoffen sind die sogenannten Industriemetalle. Dazu gehören beispielsweise Kupfer, Lithium und Kobalt. Industriemetalle sind für dich als Anleger nicht aufgrund ihres Wertes oder ihrer Seltenheit relevant, sondern weil sie für die globale Industrieproduktion unabdingbar sind. Diese auch „Basismetalle“ genannten chemischen Elemente sind in großer Zahl vorhanden und können – relativ unkompliziert – in sehr großen Mengen gefördert werden.

Die Preisentwicklung von Industriemetallen korreliert mit der globalen Konjunktur. Je nach Angebot und Nachfrage schwanken die Preise stark. Wenn die Weltwirtschaft wächst, die Produktionskapazitäten ausgebaut werden und der technologische Fortschritt voranschreitet, steigen der Bedarf an und die Preise für Industriemetalle.

Starke Treiber sind dabei die Digitalisierung, die Elektromobilität und nachhaltige Energiegewinnung durch Wind- und Solarkraft. Diese drei Bereiche sind von Industriemetallen stark abhängig.

Die wichtigsten Industriemetalle auf einen Blick:

  • Kupfer ist unverzichtbar für Kabel, Stromnetze, Elektromotoren und Solaranlagen. Damit ist Kupfer ein Kernrohstoff für die Elektrifizierung der Welt.
  • Lithium ist eine Kernkomponente in Lithium-Ionen-Akkus, die in Smartphones, E-Autos und Stromspeichern verbaut sind. Dementsprechend hoch ist derzeit der Bedarf.
  • Kobalt ist aufgrund der Förderung in der Demokratischen Republik Kongo ein politisch relevanter Rohstoff, der vor allem in Hochleistungsakkus verbaut wird und die Stabilität und die Energiedichte erhöht.
  • Aluminium ist in der Gewinnung und Herstellung sehr energieintensiv, für den Leichtbau bei Autos und Flugzeugen sowie im Bau und bei Verpackungen unabdingbar.
  • Nickel ist ein wesentlicher Bestandteil von rostfreiem Stahl und kommt ebenfalls in E-Auto-Batterien vor. Damit profitiert Nickel nicht nur von der Elektromobilität, sondern ist auch direkt mit der Stahlnachfrage verknüpft.
  • Zink ist ebenfalls eng mit der Stahlindustrie und dem Bau- und Infrastruktur-Sektor verknüpft, weil es als Korrosionsschutz von Stahl, in Batterien und als Legierung zum Einsatz kommt.

Unter den Industriemetallen ist Kupfer das Basis-Investment. Die anderen Metalle oder weiterführende Rohstoffe wie beispielsweise Eisenerz sind Wetten auf einzelne Industrien. Am besten lässt sich der Sektor über Rohstoff-Indizes abbilden. Darauf gehen wir später detailliert ein.

Energie

Das dritte Schwergewicht im Bereich der Rohstoffe sind die Energierohstoffe. Dazu gehören alle natürlichen Ressourcen, aus denen Energie gewonnen werden kann. Diese wiederum wird dann in Wärme, Elektrizität oder Antriebskraft umgewandelt.

Klassische Energierohstoffe sind Öl, Gas, Kohle (also fossile Brennstoffe), Uran (für die Kernspaltung) und Wind und Sonne in der erneuerbaren Energiegewinnung. In Wind und Sonne kannst du als Anleger nur indirekt investieren – zum Beispiel durch Anleihen für Windparks oder durch Investments in grüne Stromproduzenten wie Ørsted.

Investments in Energierohstoffe sind für Investoren spannend, weil auf der Welt immer Energie gebraucht wird – und der Verbrauch durch die Digitalisierung und KI immer weiter steigt. Und selbst wenn es der Wirtschaft schlechter geht, brauchen private Haushalte Wärme und Strom. Damit ist der Energiesektor ein konstanter Margenbringer.

Allerdings ist der Energiesektor auch stark abhängig von politischen Konflikten. Das haben in den letzten Jahren der Ukraine-Krieg (ab 2022) und der Iran-Krieg (ab 2026) verdeutlicht. Nur weil der Energiebedarf steigt, ist nicht jede Aktie aus dem Energiesektor ein Dauerläufer.

Die wichtigsten Energierohstoffe auf einen Blick:

  • Rohöl (Brent/WTI) ist die Basis für Kraftstoffe und Kunststoffe und ist damit der wichtigste Rohstoff der Welt. Aufgrund der globalen Zusammenhänge ist der Ölpreis stark abhängig von Krisen und Rezessionsängsten.
  • Erdgas ist Heizmittel, Industrierohstoff und kommt auch als Brennstoff in der Stromerzeugung zum Einsatz. Die Preise hängen stark von den Temperaturen ab.
  • Uran rückt mit Blick auf die CO2-Reduktion als Brennstoff in Kernkraftwerken wieder verstärkt in den Vordergrund. Die geringen Uranmengen machen den Rohstoff attraktiv.
  • Kohle gilt in Europa als Rohstoff der Vergangenheit, ist in Indien und China allerdings das Rückgrat der dortigen Stromerzeugung. In ETFs sind Kohleproduzenten aufgrund der ESG-Richtlinien oft unterrepräsentiert. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Rohstoff geringe Margen bietet.

Wer in Energierohstoffe (über ETCs) oder in Unternehmen aus dem Energiesektor (über Aktien und ETFs) investiert, profitiert gleich doppelt: Einerseits durch die hohe Nachfrage. Andererseits zahlen viele Energiekonzerne hohe Dividenden. Dadurch kannst du dir einen passiven Cashflow zusätzlich aufbauen.

Agrarrohstoffe

Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen und Metallen (Hard Commodities) sind Agrarrohstoffe sogenannte Soft Commodities. Das heißt: Agrarrohstoffe sind nachwachsend und sind Naturprodukte in unterschiedlichen Verarbeitungsstufen.

Typische Agrarrohstoffe sind Getreide (zum Beispiel: Weizen, Mais, Sojabohnen), Genussstoffe (zum Beispiel: Zucker, Kakao, Kaffee), Tiererzeugnisse (zum Beispiel: Eier, Milch, Fleisch) und Industriestoffe (zum Beispiel: Holz, Baumwolle).

Um die menschliche Bevölkerung zu ernähren, steigt der Bedarf an Lebensmitteln und Futtermitteln für Tiere kontinuierlich. Gleichzeitig sind Agrarrohstoffe sehr stark vom Klima und Umweltfaktoren abhängig. Extreme Wetterereignisse und Temperaturschwankungen führen zu Missernten.

Das kann zum Beispiel dazu führen, dass Kakaopreise stark steigen. Schokolade wird teurer und der Absatz von Konsumgütermarken bricht ein. Ein anderes Beispiel: Ein großflächiger Ausbruch der Vogelgrippe lässt die Eierpreise in die Höhe schnellen, was die Aktienkurse von Eierproduzenten beflügelt.

Die wichtigsten Agrarrohstoffe auf einen Blick:

  • Weizen zählt weltweit zu den Grundnahrungsmitteln und wird global angebaut. Politische Krisen wie der Ukraine-Krieg können den Preis regional aufgrund von Versorgungsengpässen beeinflussen.
  • Kakao gehört zu den wichtigsten Rohstoffen für die Süßwarenindustrie. Die Produktion findet hauptsächlich in Westafrika statt. Politische Spannungen oder Wetterereignisse haben aufgrund der begrenzten Anbaufläche große Auswirkungen.
  • Holz ist neben Metallen ein zentraler Rohstoff für die Bauindustrie, die Möbelherstellung und die Papierproduktion. Auch als nachwachsender Brennstoff ist Holz relevant. Die Holzpreise sind von den globalen Bauaktivitäten und der Nachfrage nach Heizmitteln abhängig.
  • Mais und Soja nehmen eine Doppelrolle ein. Sie sind als Agrarrohstoffe einerseits essenziell für die Nahrungsmittel- und Tierfutterherstellung. Andererseits werden sie für Biokraftstoffe benötigt.

Nachhaltige Investoren sollten sich vor einem Investment in Agrarrohstoffe darüber bewusst sein, dass insbesondere diese Anlageklasse auch starke ethische Aspekte aufweist. Insbesondere der Anbau von Kakao, Kaffee, Mais und Soja geschieht in Schwellenländern oftmals zu Lasten von Mensch (Ausbeutung) und Natur (zum Beispiel: Brandrodung und Monokulturen).

Wie kann ich indirekt in Rohstoffe investieren?

Rohstoffe sind für Investoren eine spannende Anlageklasse. Während du physisches Gold und Silber kaufen und bei dir lagern kannst, ist das mit Erdgas, Kaffee oder Mais nicht oder nur sehr begrenzt möglich. Deshalb stellen wir dir drei Möglichkeiten vor, wie du indirekt in Rohstoffe investieren kannst.

Aktien

Aktien stellen die erste Möglichkeit dar, um am weltweiten Rohstoffboom teilzuhaben. Der Gedanke dahinter ist simpel: Du investierst nicht direkt in den Rohstoff (zum Beispiel: Öl), sondern investierst in börsennotierte Firmen, die eine wichtige Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette eines Rohstoffs spielen. Die Bandbreite ist groß.

  • Ölkonzerne wie Shell, Exxon Mobil, Total Energies
  • Bergbaukonzerne und Minenbetreiber wie BHP, Rio Tinto, Vale, Glencore oder Newmont
  • Royalty- und Streaming-Gesellschaften wie Franco-Nevada, Wheaton Precious Metals oder Royal Gold
  • Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Unilever oder Danone
  • Spezialisierte Lebensmittelproduzenten wie Cal-Maine Foods (Eier in den USA), Kri-Kri-Milk (griechischer Jogurt) oder Tyson Foods (Fleischproduzent aus den USA)

ETFs

Anstelle in einzelne Aktien zu investieren, kannst du das Risiko senken, indem du in Rohstoff-ETFs investierst. Dabei investierst du allerdings nicht direkt in Rohstoffe, sondern in einen Sammelkorb aus Rohstofffirmen. Dadurch umgehst du die Gefahr, dass einzelne Rohstoffproduzenten in Schieflage geraten, auch wenn die Branche an sich boomt.

Im Folgenden einige Rohstoff-ETFs, die dir als Inspiration dienen können.

ETCs

Wenn du direkt in börsengehandelte Rohstoffe investieren möchtest, sind ETC (Exchange Traded Commodity) der richtige Weg. Wichtig ist dabei: Während ETFs als Sondervermögen im Fall einer Bankinsolvenz geschützt sind, sind ETCs lediglich Schuldverschreibungen.

Damit trägst du im unwahrscheinlichen Fall einer Bankeninsolvenz ein Ausfallrisiko. Dafür hast du den Vorteil, dass du direkt in einzelne Rohstoffe (zum Beispiel: Gold) investierst und der ETC-Kurs den tatsächlichen Rohstoffpreis abbildet.

Einige Beispiel-ETCs:

  • Über Xetra-Gold kannst du direkt in Gold investieren. Das handelbare Gold ist dabei zu 100 Prozent physisch in Form von Goldbarren hinterlegt.
  • Mit WisdomTree Physical Silver investierst du direkt in Silber. Auch hier sind deine Investments vollständig durch physisch hinterlegte Silberbarren gesichert.
  • Über den WisdomTree Brent Crude Oil partizipierst du an der Entwicklung des Ölpreises. Im Gegensatz zu den Gold- und Silber-ETCs wird das gehandelte Öl nicht physisch gelagert, sondern über Termingeschäfte (Futures) abgebildet.

Sobald im Namen des ETC das Wort „Physical“ auftaucht, bedeutet das, dass der ETC-Emittent die Rohstoffe tatsächlich in einem Tresor lagert. Im Ernstfall hast du als Anleger die Option, die Herausgabe der physischen Rohstoffe einzufordern. Das ist bei Futures nicht möglich. Die physische Hinterlegung ist für dich als Rohstoffinvestor ein zusätzliches Sicherheitsniveau.

Chancen und Risiken von indirekten Investments in Rohstoffe

Ob als ETF, ETC oder direkt als Aktie: Der Handel mit Rohstoffen bietet dir als Anleger zahlreiche Chancen. Allerdings bergen Rohstoffe auch ein gewisses Risiko.

Volatilität

Die allermeisten Rohstoffe haben eine sogenannte unelastische Nachfrage. Das heißt: Weil ein Rohstoff – zum Beispiel Öl – sowohl für die Industrie als auch für Privatpersonen unverzichtbar ist, greift der normale Angebot-Nachfrage-Zyklus verzögert. Ein sofortiger Rückgang bleibt in der Regel aus.

Preissteigerungen wie im Jahr 2026 beim Benzin werden vom Markt kurzfristig akzeptiert, weil es keine oder nur sehr wenige Alternativen zu bestimmten Rohstoffen gibt. Mittel- und langfristig können steigende Rohstoffpreise zur Suche nach Alternativen führen – im Automarkt zeigt sich das durch den Wandel hin zur Elektromobilität.

Die hohe Volatilität im Rohstoffmarkt entsteht, weil er sehr eng mit der globalen Konjunktur zusammenhängt. Wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, die Nachfrage einbricht, es zu Missernten kommt und neue Projekte pausiert werden, sinkt der Bedarf an Rohstoffen sehr schnell sehr stark.

Andersherum lässt sich ein steigender Bedarf nicht immer sofort abdecken: Eine neue Goldmine, eine Ölplattform oder Getreide lässt sich im Vergleich zu Software-Produkten nicht beliebig in hoher Geschwindigkeit skalieren. Der Aufbau von Ressourcen im Rohstoffsektor benötigt viel Zeit.

Kombiniert führen diese beiden Ursachen dazu, dass es zu starken Schwankungen am Rohstoffmarkt kommt. Wenn der Goldpreis stark steigt, können die Gewinne von Goldminenbetreibern überproportional stark steigen. Andersherum führt ein Nachfrageeinbruch zu überproportional starken Verlusten, weil es im Rohstoffsektor oftmals hohe Fixkosten (zum Beispiel: Personal, Maschinen, Minenbetrieb) gibt, die sich schwer senken lassen.

Währungsrisiko

Neben den im Vergleich zum Aktienmarkt stärkeren Kursschwankungen kommt noch das Währungsrisiko hinzu. Die allermeisten Rohstoffe werden international in US-Dollar gehandelt. Das kann für deutsche Anleger ein Vorteil oder Nachteil sein.

Wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verliert, steigt der Wert deiner Rohstoff-Investments sogar dann, wenn der Rohstoffpreis stabil bleibt. Andersherum sorgt ein „starker Euro“ (wie wir seit einiger Zeit erleben) dafür, dass Gewinne im Rohstoffsektor durch die Währungsschwankungen teilweise aufgefressen werden. Der Effekt greift oftmals doppelt, da zahlreiche Rohstoffunternehmen wie der Goldminenbetreiber Newmont in den USA sitzen und damit auch die Aktie in US-Dollar gehandelt wird.

Je stärker der US-Dollar ist, desto stärker fallen oftmals die Rohstoffpreise, weil Anleger aus Europa oder Asien durch das Wechselkursrisiko mehr Geld für Rohstoff-Investments ausgeben müssen. Das führt zu einer sinkenden Nachfrage.

Politisches Risiko

Zuletzt tragen Rohstoffe stets ein politisches Risiko. Das hängt damit zusammen, dass die Förderung der Rohstoffe – abgesehen von einigen Agrarrohstoffen – nur dort möglich ist, wo sie tatsächlich auch vorkommen. Während Kakao aus Westafrika kommt, wird Kobalt primär in DR Kongo gefördert und in Südafrika gibt es große Platinvorkommen.

Dementsprechend tragen zahlreiche Rohstoffe ein gewisses Länderrisiko. Insbesondere in politisch instabilen Regionen sind Rohstoffvorkommen für Parteien und politische Gruppierungen ein wichtiges Druckmittel, um national und international Forderungen durchzusetzen.

Als Ergänzung dazu können sich Regierungen dazu entscheiden, Steuern auf die Förderung von Rohstoffen zu erheben oder Minen sogar komplett zu verstaatlichen. All das führt dazu, dass nicht der gesamte Rohstoffsektor, sondern stets einzelne Rohstoffe sehr starken Schwankungen ausgesetzt sein können.

Da zentrale Rohstoffe in Scheindemokratien oder instabilen Rechtsstaaten vorkommen, kommt als letzter Aspekt noch das Risiko der Ausbeutung hinzu. Hohe Gewinne in Rohstoffminen lassen sich beispielsweise durch Kinderarbeit, schlechte Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen erwirtschaften. Etwaige Reformen führen dazu, dass Betriebskosten für Minenbetreiber steigen.

Fazit

Während einige Investoren physisches Gold in Form von Goldbarren oder Goldmünzen als Inflationsschutz in ihre Anlagestrategie integrieren, bringen indirekte Investments in Rohstoffe neue Optionen in dein Depot – ohne dass du dir einen Tresor in deine Wohnung stellen musst.

Ob du über ETC direkt in einzelne Rohstoffe, über ETF in Wertschöpfungsketten oder als Dividendenjäger in einzelne Aktien mit hohen Dividendenrenditen investierst: Für dich als Anleger gibt es viele Möglichkeiten, von der hohen Nachfrage nach Rohstoffen und neuen Entwicklungen wie den erneuerbaren Energien und der Elektromobilität zu profitieren.

Der Rohstoffsektor kombiniert eine stabile Nachfrage mit erheblichen Renditechancen, der aufgrund von globalen Abhängigkeiten eine gewisse Krisenanfälligkeit aufweist. Die Risiken sollten Investoren immer mitdenken, auch wenn wir eine Zeit erleben, in der manche Rohstoffe riesige Gewinne feiern.

Christian Erxleben ist ausgebildeter Journalist mit Erfahrung in den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Gesundheit. Neben seiner Arbeit für FINANZENTDECKER als Experte für Finanzprodukte, ist er beim Diakoniewerk Martha-Maria tätig. Er investiert aktiv in Aktien und ETFs.