Payment for Order Flow (PFOF): Was hat es mit den Neobroker-Provisionen auf sich?

Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder JustTrade können besonders günstige Konditionen anbieten, weil sie für die Weiterleitung von Aufträgen Provisionen von den kooperierenden Handelsplätzen erhalten. Diese Provisionen nennt man auch Payment for Order Flow (PFOF) oder Kickbacks. Wir erklären dir, was es mit Payment for Order Flow auf sich hat.

Was ist Payment for Order Flow (PFOF)?

Payment for Order Flow (PFOF) bezeichnet Provisionen (auch Kickbacks genannt), die Handelsplätze an Broker bezahlen, damit diese ihnen Aufträge beschaffen. Dabei sind diese Payment for Order Flow-Zahlungen elementarer Bestandteil des Geschäftsmodells von Neobrokern, da diese sich nicht über hohe Ordergebühren der Kunden finanzieren, sondern über die PFOF-Provisionen der Handelsplätze. Diese liegen zum Beispiel bei Trade Republic bei 3 Euro bis 17,60 Euro.

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Den PFOF-Provisionen bei Trade Republic müssen alle Kunden bei Depoteröffnung zustimmen

Machen wir das an einem Beispiel konkret: Wenn du eine Aktie kaufen möchtest und eine Order bei deinem Broker aufgibst, leitet dieser diese Order an den Handelsplatz weiter. Der Handelsplatz führt die Order aus und dir werden die Aktien eingebucht. Anschließend bezahlt der Handelsplatz deinen Broker dafür, dass er die Order von ihm bekommen hat.

💡 Hinweis

Auf Deutsch heißt „Payment for Order Flow“ übrigens „Zahlungen für Auftragsvermittlung“. Da Payment for Order Flow oder PFOF aber geläufiger ist, bleiben wir der Einfachheit halber bei diesem Begriff.

Was erst einmal harmlos klingt, ist aktuell Bestandteil einer hitzigen Debatte auf EU-Ebene. Denn: PFOF soll schon bald verboten werden. Schauen wir uns also an, was die Vorteile und Nachteile von PFOF-Provisionen sind.

Was sind die Vorteile von Payment for Order Flow (PFOF)?

Der größte Vorteil aus Kundensicht ist, dass der Aktienhandel an der Börse durch Payment for Order Flow-Provisionen – und den daraus resultierenden Aufstieg der Neobroker in den letzten Jahren – bedeutend günstiger geworden ist. Musste man früher bei klassischen Filialbanken und selbst bei Direktbanken mit mindestens zweistelligen Ordergebühren pro Kauf rechnen, kann man heute bei Neobrokern wie Trade Republic, Scalable Capital, Finanzen.net Zero oder JustTrade umsonst oder extrem günstig handeln.

Das ist vor allem für die Demokratisierung des Aktienmarktes wichtig. Auch wenn der Ausdruck gerne als Marketingfloskel der Neobroker verwendet wird, ist da etwas Wahres dran: Früher haben sich Investments in Aktien erst ab vierstelligen Summen gelohnt, weil die Gebühren ansonsten zu viel der Rendite aufgefressen haben. Heute kann man bereits mit 10 Euro Aktien und ETFs kaufen. Das öffnet den Markt für jeden.

Order 15 € Kosten 1 € Kosten
100 € 15 % 1 %
500 € 3 % 0,2 %
1.000 € 1,5 % 0,1 %
2.000 € 0,75 % 0,05 %

Anhand dieser Tabelle siehst du, wie hoch deine prozentualen Kosten sind, wenn du 15 Euro oder 1 Euro Gebühren pro Order bezahlst. Oder anders: Diesen Betrag bist du nach deinem Kauf erst einmal im Minus und deine Aktien müssen ihn erst wieder reinholen. Bei den günstigen Gebühren der Neobroker ist das einfach möglich. Aber eine Order mit 100 Euro hätte man mit 15 Euro Ordergebühren eher nicht ausgeführt.

Was sind die Nachteile von Payment for Order Flow (PFOF)?

Die Nachteile bei Payment for Order Flow sind die drohenden Interessenskonflikte, vor denen Broker stehen könnten. Denn für den Broker lohnt es sich unter Umständen eher, die Kundenorder an den Handelsplatz weiterzuleiten, der die höchste PFOF-Provision zahlt. Und nicht an den, der die besten Kurse (Spreads) für den Kunden bereit hält.

Während du bei den meisten Direktbanken viele Handelsplätze zur Auswahl hast, steht dir bei den meisten Neobrokern nur ein Handelsplatz zur Verfügung. Der, mit dem der Neobroker eine Vereinbarung geschlossen hat. Das bedeutet nicht, dass du zwingend immer schlechtere Konditionen hast – und wenn, bewegen diese sich bei niedrigen Ordervolumina auch eher im Kleinstbereich. Aber: Diese Möglichkeit besteht.

Aus diesem Grund hat sich schon 2021 die European Securities and Markets Authority (ESMA) eingeschaltet und vor diesen Interessenskonflikten in einem Schreiben gewarnt. Und jetzt haben sich EU-Parlament und EU-Rat auf ein Verbot der PFOF-Praxis geeinigt.

Da PFOF in Deutschland aber bisher erlaubt war (und die deutsche BaFin übrigens gegen ein Verbot ist, da die Vorteile die Nachteile für Kunden überwiegen, wie eine BaFin-Studie gezeigt hat), haben deutsche Broker bis zum 30. Juni 2026 Zeit, die neue Regelung umzusetzen und stehen bis dahin unter einer Ausnahmeerlaubnis.

Wie gehen Neobroker mit Payment for Order Flow um?

Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital und Co. stehen mit dem kommenden Verbot von Payment for Order Flow vor der Herausforderung, die günstigeren Konditionen auch dann noch anzubieten, wenn es von Handelsplätzen keine Provisionen oder Kickbacks mehr gibt.

Wir werden also in den nächsten Jahren sehen, wie sich die Geschäftsmodelle möglicherweise auf diese Änderung einstellen. Von einem großen „Neobroker-Sterben“, wie es hier und da schon zu lesen war, sind wir noch sehr weit entfernt. Aber die Vermutung liegt zumindest nah, dass wir in den nächsten Jahren höhere Ordergebühren sehen werden.

Übrigens informieren Neobroker auch zu diesen Interessenskonflikten. Ein Blick in die AGB von Trade Republic zeigt zum Beispiel eine eigene Anlage zum Thema „Information zum Umgang mit Interessenkonflikten“, in der die PFOF-Kickbacks ein eigener Punkt sind.

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Trade Republic informiert über die PFOF in seinen AGB

Fazit: Ist PFOF wirklich ein Problem?

Man kann bei der Debatte um PFOF-Kickbacks beide Seiten verstehen. Die Neobroker auf der einen Seite, weil sie ihr Geschäftsmodell zu großen Teilen auf PFOF aufgebaut haben. Die Kunden, weil sie dadurch von günstigen Ordergebühren (wenn es überhaupt welche gibt) profitieren und die Nachteile durch vermeintlich schlechtere Spreads laut BaFin-Studie gering sind.

Und auf der anderen Seite auch die ESMA und das EU-Parlament, das Interessenskonflikten vorbeugen und einen fairen Wettbewerb schaffen möchte. Ob ein generelles Verbot von diesen Kickbacks dafür der richtige Weg ist – das darf zumindest bezweifelt werden. Beide Seiten haben ihre Argumente, unterm Strich werden aber vor allem die Kleinanleger unter (sehr wahrscheinlich) steigenden Ordergebühren bei den Neobrokern leiden.

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Tobias Gillen ist Unternehmer, Journalist und Buch-Autor. Neben seiner Position als Geschäftsführender Gesellschafter der BASIC thinking GmbH hat er 2017 das Online-Magazin FINANZENTDECKER gegründet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, finanzielle Bildung in Deutschland zu stärken.