P2P-Kredit

P2P-Kredite (auch: Peer-to-Peer-Kredite) sind Kredite von Privatpersonen an andere Privatpersonen. Dabei investieren vielen Anleger kleine Beträge in einen Kredit, bis dieser vollständig finanziert ist. Der Kreditnehmer zahlt den Kredit inklusive Zinsen an die Anleger zurück. P2P-Kredite werden häufig auch Crowdlending genannt.

Welche Rolle spielen P2P-Plattformen?

P2P-Kredite werden meist über sogenannte P2P-Plattformen abgewickelt. Das sind Plattformen, die Kreditnehmer und Kreditgeber miteinander verbinden und sich um die Kreditvergabe, Rück- und Zinszahlung oder das Mahnwesen kümmern. Beispiele für solche Plattformen sind Bondora, Mintos, EstateGuru, Auxmoney oder Exporo.

Bei P2P-Krediten wird also in der Regel der Mittelsmann umgangen – bei Kreditgeschäften ist das meistens die Bank. Dadurch entstehen für die Anleger nicht selten Renditen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich (brutto), allerdings tragen sie auch ein höheres Risiko. Aus diesem Grund werden P2P-Kredite häufig als niedrig gewichtete Beimischung zu einem gut diversifizierten Portfolio empfohlen, nicht aber als alleinige Anlageform.

Die ersten Anbieter für P2P-Kredite waren Zopa in Großbritannien (2005), Prosper Marketplace in den USA (2006) und eLolly in Deutschland (2007). Der P2P-Markt hat sich erst durch das Internet gebildet, ist noch sehr jung und stetig im Wandel.

Beispiel für P2P-Kredite

Paul braucht 1.000 Euro für einen neuen Computer, möchte aber aus verschiedenen Gründen keinen Kredit bei einer Bank aufnehmen. Als Alternative bieten sich P2P-Kredite an: Paul meldet sich bei einer P2P-Plattform an und beantragt dort einen Kredit über 1.000 Euro für eine Dauer von einem Jahr. Dafür ist er bereit 10 Prozent Zinsen p.a. zu bezahlen.

Pauls Kredit finanzieren über die P2P-Plattform 200 Investoren mit jeweils 5 Euro. Die Plattform zahlt Paul das Geld aus und vereinbart mit ihm einen Rückzahlungsplan, nach dem er das Geld an die Anleger samt der Zinsen zurückzahlen muss. Läuft alles nach Plan, erhalten die Anleger diese Zahlungen pünktlich zurück.

Schafft Paul es nicht, die Zahlungen rechtzeitig zu leisten, geht die Plattform in einen Mahnprozess über und versucht das Geld bei Paul einzuholen.

Vorteile und Gründe für P2P-Kredite

Es gibt viele Gründe, warum Kreditnehmer ihre Kredite nicht bei einer Bank aufnehmen, sondern den Weg über P2P-Plattformen suchen.

  1. Einfachheit: Die Kreditvergabe ist bei einer Bank langwieriger und komplizierter als über eine P2P-Plattform.
  2. Schnelligkeit: Ein Kredit ist bei P2P-Plattformen schneller freigegeben als bei Banken.
  3. Zugänglichkeit: Nicht jeder Mensch hat örtlichen Zugriff auf Banken, besonders im Baltikum oder in Skandinavien sind die Wege oft länger als in Mitteleuropa. P2P-Kredite können hingegen im Internet von jedem Ort der Welt abgeschlossen werden.
  4. Zweckungebunden: Viele P2P-Plattformen erlauben ihren Kreditnehmern auch zweckungebundene Kredite aufzunehmen.
  5. Flexibilität: Kreditnehmer können im P2P-Markt häufig sehr flexible Konditionen aufnehmen, teils auch nur als Überbrückung für wenige Tage, Wochen oder Monate. Für diese Kredite stehen Banken teilweise nicht zur Verfügung.

Nachteile und Kritik an P2P-Krediten

P2P-Kredite bieten Anlegern die Möglichkeit, hohe Zinserträge zu realisieren. Sie tragen aber auch ein erhöhtes Risiko, da die Kredite auch ausfallen können. In diesem Fall greifen die Plattformen zwar mit ihrem Mahn- und Inkassoprozess ein, können aber nicht garantieren, alle Zahlungen zurückzugewinnen.

In diesem Fall verliert der Anleger sein Geld. Stiftung Warentest empfiehlt aus diesem Grund in Ausgabe 6/2013, nur einen kleinen Teil in P2P-Krediten zu investieren. Zudem sollten Anleger darauf achten, möglichst breit über verschiedene Plattformen und Kredite zu diversifizieren und Plattformen genau zu prüfen, da diese meistens unreguliert sind.

P2P-Kredite: Zahlen, Daten & Fakten

Der Markt mit P2P-Krediten ist stark wachsend: 2005 wurden weltweit 118 Millionen Dollar in P2P-Krediten verliehen, 2007 bereits 647 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2012, also nur fünf Jahre später, lag das weltweite Volumen bei ca. 1,8 Mrd. US-Dollar. 2015 wurden alleine in Europa P2P-Kredite mit einem Volumen von 2,1 Mrd. Euro vergeben.

Weiterführende Links zu P2P-Krediten

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